"Der gegenwärtige Säkularisierungsprozeß hat viele Menschen dazu geführt, den Glauben und die Kirche zu Verlassen. Vielleicht hat uns der Herr deshalb dazu geführt, in den Gemeinden einen Weg der Bildung zu beginnen, als Hilfe, daß die Erneuerung des Konzils sich verwirklicht und daß den Fernstehenden eine Rückkehr ermöglicht wird "
Interview mit Kiko Argüello, der mit Carmen Hernandez den Neokatechumenalen Weg gegründet hat.
Aufgrund des großen Interesses an dem bereits in der November-Ausgabe von 1997 erschienenen Gesprächs von 30Tage mit dem Initiator des Neokatechumenalen Wegs, Kiko Argüello, liegt das Interview dieser Ausgabe noch einmal als Sonderdruck bei.
von Stefano M. Paci
In den Medien wird er nie erwähnt, und auch innerhalb der kirchlichen Gemeinschaft gibt es diesbezüglich viele Mißverständnisse. Dennoch ist der Neokatechumenale Weg eine Wirklichkeit, die die Kirche des dritten Jahrtausends tief beeinflussen wird. Rund eine Million Gläubige in mehr als hundert Nationen, Tausende von Priestern, Dutzende Priesterseminare auf der ganzen Welt und Hunderte Pfarreien haben sich entschlossen, diesem Weg zu folgen. Eine "Wachstumsrate", die nicht im Sinken begriffen ist. Eine antike Tradition, die des Katechumenats, die aber, heute neu vorgeschlagen, den Eindruck von etwas ganz Neuem macht und daher Grund zur Verwunderung gibt. Diese Verwunderung schlägt manchmal in eine regelrechte Verfolgung des Neokatechumenats und seiner Initiatoren, des spanischen Malers Francisco Argüello, genannt Kiko, und Carmen Hernandez, um. Diese Anfeindungen stehen allerdings im Gegensatz zu der entschlossenen und öffentlichen Ermutigung, die Johannes Paul II. - ebenso wie schon vorher bereits sein Vorgänger Paul VI. - für die Neokatechumenalen Gemeinschaften äußerte und heute noch äußert. Derzeit bemüht sich Kiko Argüello mit einigen Verantwortlichen des "Weges" um die Abfassung von Statuten, die seine endgültige kirchenrechtliche Stellung und Eingliederung festlegen sollen.
Worum handelt es sich beim Neokatechumenalen Weg?
KIKO ARGÜELLO: Es ist ein Weg der Umkehr, durch den man den Reichtum der Taufe wiederentdecken kann. Der gegenwärtige Säkularisierungsprozeß hat viele Menschen dazu geführt, den Glauben und die Kirche zu verlassen. Vielleicht hat uns der Herr deshalb dazu geführt, in den Gemeinden einen Weg der Bildung zu beginnen, als Hilfe, daß die Erneuerung des Konzils sich verwirklicht und daß den Fernstehenden eine Rückkehr ermöglicht wird.
Der Neokatechumenale Weg möchte keine Bewegung als Selbstzweck sein, sondern den Diözesen und Pfarreien helfen, einen Weg der Initiation zu beginnen, der dazu dient, den heutigen Menschen zu evangelisieren. Hier gilt es festzustellen, daß Johannes Paul II. in seinem Brief sagt: "Ich anerkenne den Neokatechumenalen Weg als einen Weg der katholischen Bildung, der für die Gesellschaft und die heutige Zeit Geltung besitzt." Zugleich äußert er darin den Wunsch, "daß die Brüder im Bischofsamt gemeinsam mit ihren Priestern dieses Werk für die Neuevangelisierung recht bewerten und unterstützen". Insofern ist es ein Instrument im Dienste der Bischöfe und der Pfarrer, um viele Menschen wieder zum Glauben, den sie verlassen haben, zu führen.
Welche Beziehung besteht zwischen dem Neokatechumenat und dem Katechumenat der Urkirche?
ARGÜELLO: In der Urkirche inmitten des Heidentums - mußte ein Mensch, der Christ werden wollte, einen Weg der Ausbildung beschreiten, der sich "Katechumenat" nannte. Das Wort stammt von dem Begriff "catecheo", was soviel heißt wie "ich lasse widerhallen", "ich höre".
Wir können uns aber fragen: "Was höre ich?" Nicht nur Gott, der in der Schrift spricht: Katechumene ist der, der gelernt hat, Gott zu hören, der in unserer Geschichte spricht. Im Gegensatz zu den östlichen Religionen, die beanspruchen, die Leidenschaften zu überwinden, indem sie sich mit Gebetstechniken (wie der Zen-Philosophie, dem Thao oder dem Buddhismus) ins Transzendente flüchten, und der westlichen natürlichen Religiosität, die zu einer Trennung zwischen Religion und Leben führt, besteht die große Revolution des Christentums in der Inkarnation, das heißt darin, daß Gott in der konkreten Geschichte der Menschen Mensch geworden ist.
Die Kirchenväter sagen, daß ein Christ sich nicht durch die Demut, den Gehorsam oder sogar die Heiligkeit auszeichne, sondern durch die Unterscheidungsgabe, ohne die es weder Demut, noch Gehorsam, noch Heiligkeit gibt. Doch was gilt es zu unterscheiden? Das göttliche Handeln in unserer Geschichte, die Verführungen des Dämons, warum bestimmte Dinge geschehen und welchen Sinn sie haben...
Hierin besteht also die Wiedereinführung des Neokatechumenat nach der Taufe. Christus sagt zu Samariterin: "Glaube mir Frau, die Stunde kommt, zu der ihr weder au diesem Berg noch in Jerusalem den Vater anbeten werdet [...] Aber die Stunde kommt, und sie ist schon da, zu der die wahren Beter den Vater anbeten werden im Geist und i der Wahrheit; denn so will der Vater angebetet werden." In einer christlichen Initiation entdeckt der Katechumene, daß wir der wahre Tempel sind und unser Leben deshalb eine Liturgie der Heiligkeit ist, deren Ritual das Buch der Psalmen ist.
Das Katechumenat der Urkirche war aber besonders geprägt durch eine Synthese von Wort, Änderung des Lebens und Liturgie. Die Urkirche besaß vor allem ein Kerygma, das heißt eine Verkündigung des Heils. Diese Verkündigung des Evangeliums geschah durch Apostel-Itineranten, wie Paulus und Silas, und rief bei den Zuhörern ein moralische Änderung hervor. Dies änderten ihr Leben mit Hilfe des Heiligen Geistes, der die Apostel begleitete. Diese Änderung des Lebens wurde durch die Sakrament gefördert und besiegelt. Die Taufe erfolgte konkret in Etappen. Der Neokatechumenale Weg möchte diese "Schwangerschaft", diese Synthese von Kerygma, Änderung des Lebens und Liturgie, wiederaufnehmen.
Weshalb die Bezeichnung "Neokatechumenat"?
ARGÜELLO: Weil es im wesentlichen Menschen vorgeschlagen wird, die bereits getauft, aber nicht hinreichend christlich gebildet sind. Auch Catechesi tradenda stellt fest, daß viele Christen in den Pfarreien wie Katechumenen leben.
Im Jahre 1974 wurden wir von der Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung gebeten, die Riten des ersten Taufskrutiniums durchzusehen. Damals waren die Experten zugegen, die unter dem Vorsitz von Erzbischof Bugnini, dem Sekretär der Kongregation, den Ordo Initiationis Christianae Adultorum vorbereiteten. Einige wollten zwar, daß wir uns "Katechetische Gemeinschaft" nennen sollten. Schließlich einigten wir uns mit ihnen aber auf die Bezeichnung "Neokatechumenat".
Wie steht es heute um das Neokatechumenat?
ARGÜELLO: Es gibt den Neokatechumenalen Weg in 105 Nationen auf allen fünf Kontinenten, in 15.000 Gemeinschaften, in 800 Diözesen und 5.000 Pfarreien. Er hat dazu beigetragen, 35 diözesane Missionsseminare auf der ganzen Welt zu eröffnen. Er gibt Familien mit Kindern, die alles aufgeben - Freunde, Haus, Arbeit -, um in die schwierigsten Gebiete dieser Welt in die Mission zu gehen. Derzeit sind es 400. Besonders erfreut sind wir über die Vielzahl an Jugendlichen, die ihren Glauben durch den Neokatechumenalen Weg wiederentdecken und reifen lassen wollen. Wir danken dem Herrn für alles, auch wenn es nicht an Verfolgung und den notwendigen Schwierigkeiten fehlt.
Sie haben die Familien erwähnt, die alles auf geben, um in die Mission zu gehen. Weshalb tun sie dies?
ARGÜELLO: Aus Dankbarkeit. Weil sie gerettet wurden und andere am selben Heil teilhaben lassen wollen. Es gibt viele Vorstädte, zum Beispiel in Lateinamerika, die von den Sekten überrannt werden. Die Bischöfe haben uns um Hilfe gebeten, angesichts der riesigen Siedlungsgebiete ohne die Anwesenheit der Kirche. Also wurden Familien mit dem Segen des Heiligen Vaters ausgesandt, die mit ihrem Zeugnis und dem Wort Gottes die ärmsten Gebiete evangelisieren, indem sie kleine christliche Gemeinschaften bilden. Dann entsenden auch die Bischöfe dank der Redemptoris Mater Seminare Priester. Und so entstehen neue Pfarreien, die den Menschen die Möglichkeit eröffnen, von den Sekten in die Kirche zurückzukehren. Und dies geschieht tatsächlich, wie man zum Beispiel an den Armen der Pfahlbauten von Guayaquil in Ecuador, den "Pueblos jovenes" von Lima in Peru oder den Minenarbeitern von Coronel in Chile, usw. sieht.
Wo haben Sie sich konkret entschieden, den Weg zu gehen?
ARGÜELLO: Wir haben nichts entschieden. Der Herr hat uns durch Tatsachen aus den Baracken in die Pfarreien geführt. Der damalige Erzbischof von Madrid und die Pfarrer hatten uns darum gebeten. Und dort erfahren wir die Aufgabe, die uns der Herr anvertraut hat. Man muß nur an die große Notwendigkeit von Katechese in der Kirche denken. Man muß wiederentdecken, was es heißt, Christ zu sein, was es heißt, das ewige Leben zu empfangen, was es heißt, daß Christus den Tod besiegt hat. Es ist nicht dasselbe, ob man Christus begegnet oder nicht. Der Mensch, der Christus nicht begegnet ist, wird ständig mit Ereignissen des Todes konfrontiert, die ihn einschränken und auf die er keine Antwort hat, weil kein Mensch den Tod besiegt hat. Wer ihm hingegen begegnet ist und vom Himmel den Heiligen Geist empfangen hat, der hat in sich das ewige Leben, den Sieg Christi über den Tod. Das erlaubt ihm, den Ereignissen auf eine neue Art und Weise zu begegnen. Das heißt, durch den Tod hindurchzugehen. Und dies ist eine großartige Sache. Als wir getauft wurden, hat man uns gefragt: "Was erbittest du von der Kirche Gottes?" Antwort: "Den Glauben". Und weiter: "Was gibt dir der Glaube?" . "Das ewige Leben" . Das ist nicht nur eine Redensart. Das ewige Leben ist in uns. Der heilige Johannes sagt: "Wer seinen Bruder haßt, ist ein Mörder, und kein Mörder hat das ewige Leben." Der Glaube macht es dir möglich, nicht nur deinen Nächsten nicht zu verabscheuen, sondern auch deinen Feind zu lieben. Wir sagen: "Du bist ein Christ? Dann zeige, daß du das ewige Leben hast." Und wie zeigt sich das konkret? Auf dem Weg erfährt man dies stufenweise durch die Etappen und die Skrutinien, nach der Praxis des Katechumenats der Urkirche, die auch heute durch den Ordo Initiationis Christianae Adultorum vorgeschlagen wird. Dort wird im vierten Kapitel festgestellt, daß dieser Weg, diese Etappen auch bei bereits Getauften aber noch nicht hinreichend katechetisierten oder noch nicht gefirmten Personen angewandt werden kann.
Wir stehen auf der Schwelle zum dritten Jahrtausend. Was bereitete Ihnen die größten Sorgen für diese Zeit?
ARGÜELLO: Wir sind in eine multimediale, technologisch-audiovisuelle Kultur eingetaucht. Statistisch gesehen verbringt jeder Italiener im Schnitt drei Stunden und 40 Minuten vor dem Fernseher. In einigen amerikanischen Ländern kommt man auf durchschnittlich neun Stunden. Macht man eine ernsthafte Analyse der Inhalte, so stellt sich die Frage, was jeder Zuschauer durch die Filme, Familienserien, Talkshows und so weiter vermittelt bekommt. Jeder einzelne bekommt Tag für Tag stundenlang ununterbrochen ein Menschenbild, sozusagen eine "Katechese" vermittelt, die im Widerspruch zur 0ffenbarung steht.
Hier liegt die wahre Herausforderung des dritten Jahrtausends, nämlich in dem, was man als eine "anthropologische Revolution" bezeichnen könnte, die auf unbewußte Weise in uns eindringt, mit Werten, die im Widerspruch zu denen des Christentums stehen. Begriffe wie Natur, Leib, Sexualität, Familie, Sünde ... haben keinen christlichen Inhalt mehr. Wie antwortet die Kirche darauf, wenn für die meisten Christen in den Pfarreien nichts anderes als die Sonntagsmesse vorhanden ist?
Ein weiteres Problem ergibt sich dadurch, daß dieses weit verbreitete Gedankengut auch unter den Christen vorhanden ist, daß diese Mentalität auch die Kirche beeinflußt. Der französische Philosoph und Freund von Papst Paul VI., Jean Guitton, hat mir von einer besorgniserregenden Äußerung berichtet, die jener Papst ihm gegenüber machte. "Ich möchte Ihnen eine Sorge anvertrauen", sagte ihm Paul VI. "Es besteht die Gefahr, daß ein nichtchristliches Gedankengut in die Kirche eindringt, und eines Tages vorherrschend wird."
ARGÜELLO: Das stimmt. Wir haben vor einiger Zeit in New York ein Treffen mit Bischöfen organisiert, das sich mit dem von mir erwähnten Problem beschäftigte. Ein australischer Bischof erzählte mir dabei eine Episode, die unsere Erörterungen bestätigt. Er war davon überzeugt, daß man etwas gegen dieses weitverbreitete Denken tun müsse. So hatte er sich entschlossen, im Fernsehen ein Programm gegen die Legalisierung der Euthanasie zu machen. Er rief die engagierten Laien der Diözese zusammen, um zu erörtern, wie man auf das Bombardement der Medien in dieser Frage antworten könnte. Überrascht mußte er feststellen, daß seine engagierten Laien alle für die Euthanasie waren. Sie dachten alle wie das Fernsehen.
Wo kann man eine Katechese hören und eine Bildung empfangen, die dieser Kultur widerstehen kann? Wenn wir nicht mit einer ernsthaften Glaubensbildung anfangen, dann werden wir unweigerlich so denken, wie es uns die Medien vorschreiben. Deshalb glaube ich, daß der "Weg" wie auch die neuen Wirklichkeiten und Bewegungen eine große Bedeutung in der Kirche haben. Nur ein reifer Glaube ist heute der säkularisierten Wirklichkeit, in der wir leben, gewachsen.
Während des jüngsten Nationalen Eucharistischen Kongresses von Bologna sind sich die Gründer und Verantwortlichen der Bewegungen und neuen kirchlichen Wirklichkeiten zum ersten Mal öffentlich begegnet. Welche Bedeutung hat dies für Sie gehabt?
ARGÜELLO: Es war sehr wichtig. Wir sind Zeugen einer Wirklichkeit, die sich ereignet: der Heilige Geist weht in seiner Kirche trotz unserer Sünden, um ihr zu helfen. Wir haben weltweit die Erfahrung gemacht, daß uns die anderen Gruppen und Bewegung stets geholfen haben: von Comunione e Liberazione an den Universitäten, den Priestern des Opus Dei in den Pfarreien, den Fokolarini, bis zu der Charismatikern usw. Es ist wichtig und eine Quelle der Bereicherung, wenn man einander hilft: in der Verschiedenheit gibt es eine einzige Mission, die wir gegenüber der Wel1 haben. Der heilige Paulus sagt Gott hat einige als Apostel, andere als Propheten, wieder andere als Evangelisten, andere als Hirten und Lehrer eingesetzt, zum Aufbau des Leibes Christi, damit wir zum vollkommenen Menschen werden und Christus in seiner vollendeten Gestalt darstellen (vgl. Eph 4, 11-14). Die Schwierigkeiten und Probleme entstehen, wenn wir in den Pfarreien einigen Gruppen von Laien oder Priestern begegnen, die eine unterschiedliche Anthropologie und auch eine andere Christologie und Ekklesiologie haben.
Man hört oft, daß diese neuen Bewegungen und kirchlichen Wirklichkeiten etwas verschlossen und mit sich selbst beschäftigt sind. So haben einige Bischöfe gefordert, daß sie sich untereinander mehr öffnen, ohne Auseinandersetzungen oder Rivalitäten.
ARGÜELLO: Dies ist ein Urteil von Außenstehenden, das, wie ich meine, nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt. Wir erfahren genau das Gegenteil. Es ist genauso wie zu der Zeit, als sich die Jünger an Jesus wandten und ihm sagten: "Jene, die Wunder wirken, gehören nicht zu uns." Er antwortete: "Verbietet es ihnen nicht. Niemand kann in meinen Namen Wunder vollbringen und schlecht von mir reden." Wir erfahren dies ständig: Alles, was der Geist in der Kirche hervorruft, ist uns eine Hilfe. Nur Außenstehende erklären, wir seien untereinander uneins, und es gäbe Schwierigkeiten .
Weshalb kommt es in der Kirche beim Entstehen derartiger neuer Wirklichkeiten fast automatisch zu solchen Anfeindungen? Sie haben dies genauso erfahren wie fast alle anderen Bewegungen.
ARGÜELLO: Das ist eine normale Reaktion. Ich glaube, das ist eine soziologische Tatsache, die es zu akzeptieren gilt. Tatsächlich fragen sich alle, sobald etwas Neues entsteht: "Wer sind die? Für wen halten die sich eigentlich? Sie denken wohl, sie seien besser als die anderen." Gewiß, wir wurden innerhalb der Kirche verfolgt, und an manchen Orten geschieht dies heute noch. Ich denke aber stets an den heiligen Ignatius von Loyola. Als man ihn in der Todesstunde fragte, was er sich für die Gesellschaft Jesu wünsche, hat er geantwortet: "Verfolgungen." Was meine Person betrifft, so halte ich die Verfolgungen für eine große Gnade. Es ist die einzige Sache, in der ich Christus ein wenig ähnlich bin. In allem anderen nicht, da ich ein großer Sünder bin.
Nehmen diese Anfeindungen nun etwas ab?
ARGÜELLO: Ja. Ich denke, daß viele Bischöfe und Pfarrer uns besser kennen und nun unsere Früchte in einer sich ausbreitenden Wirklichkeit sehen: die wiederhergestellten Familien, die Jugendlichen in der Kirche, die Berufungen für die Seminare und so weiter. Im August waren beim Treffen mit dem Papst in Paris viele Jugendliche aus den neuen kirchlichen Wirklichkeiten, und unter ihnen waren auch 50.000 des "Weges". Am Schluß hatten wir eine Begegnung mit Kardinal Lustiger, bei dem 5.000 Jugendliche aufgestanden sind, um ins Priesterseminar oder in Klausurorden einzutreten. Wir selbst sind überrascht über das, was geschieht.
Vor einigen Jahren konnte ich ein vertrauliches Dokument der Kongregation für das katholische Bildungswesen einsehen. Der damalige Kardinalspräfekt hatte eine Umfrage durchgeführt, um auf Ihre Nachfrage zur Leitung von Missionsseminaren der Diözese zu antworten. Der größte Teil der zu Rat gezogenen Experten fällte allerdings ein negatives Urteil. Es lautete kurz: "Man kann einer Bewegung kein Seminar anvertrauen." Um die Frage zu klären, schritt Papst Johannes Paul II. in eigener Person ein und entschied, euch Seminare anzuvertrauen. Heute gibt es davon 35 in aller Welt. Was war der Grund für die Seminare? Wie sind sie entstanden?
ARGÜELLO: Auch hier war es der Herr, der uns durch die Fakten seine Spuren gezeigt hat. Der Papst hatte schon über 100 Familien in die schwierigsten Gebiete in Südamerika und in der ganzen Welt entsandt. Diese Familien bildeten christliche Gemeinschaften mit vielen Personen, die von den Sekten zur Kirche zurückkehrten. Da es aber nur wenig Geistliche gab und die Ortspriester Schwierigkeiten hatten, sich in diese heruntergekommenen Gegenden zu begeben, wo es nicht einmal ein Gotteshaus gab, haben wir zunächst viele Versuche unternommen: sowohl mit dem Seminario Romano wie auch mit der Bildung einer Gruppe, die der Rektor von Capranica, Bischof Luciano Pacomio, der uns sehr geholfen hat, führte. Schließlich haben wir uns aber entschlossen, dem Heiligen Vater diese Lage der Familien vorzutragen.
Wir wollten keine Kongregation oder Bewegung gründen, sondern eher die Pfarreien, aus denen diese Familien hervorgegangen waren, mit der Mission verbinden. Wir schlugen deshalb dem Heiligen Vater vor, ein diözesanes Missionsseminar zu gründen, von wo aus die Priester überall hingeschickt werden könnten. Am Ende der Begegnung erhob sich der Papst und erklärte, daß dies gut, für die Kirche notwendig und zu realisieren sei. So entstanden die Seminare "Redemptoris Mater". Zum zweiten ist zu sagen, daß diese Seminare keine Seminare des Neokatechumenalen Weges sind, sondern wirkliche Diözesanseminare für die Mission. Das heißt, sie unterstehen den Bischöfen, und diese tragen die Verantwortung für die Priester. Die Besonderheit dieser Seminare ist, daß die Priester vom Bischof in die ganze Welt gesandt werden können, um so dem Priestermangel in vielen Diözesen abzuhelfen. Wie es die Vorsehung will, findet sich auch in den Konzilsdokumenten, zum Beispiel in Artikel 10 von Presbyterorum ordinis, die Aussage, internationale Missionsseminare zu eröffnen, um dem Priestermangel abzuhelfen.
Im übrigen verstehe ich die Antwort der Experten. Die eigentliche Verwirrung besteht aber im Wort, "Bewegung". Denn wir verstehen uns nicht als Bewegung, wie ich vorhin schon sagte, sondern als eine christliche Initiation nach der Taufe, die in den Pfarreien eröffnet wird und dort damit endet, daß man zu einem reifen Christen geworden ist. Zum Beispiel habe ich als Katechist den "Weg" bereits in vielen Gemeinden abgeschlossen. Die Brüder und Schwestern, die diesen Neokatechumenalen Weg gehen und abgeschlossen haben, bilden keinen Verein oder Kongregation oder sonst etwas dieser Art, sondern sie sind erwachsene Christen in der Pfarrei, die die Pastoral des Bischofs praktizieren. Sicherlich wird die kleine Gemeinschaft nicht verschwinden, da sie heute die Rettung der Familie darstellt. Kardinal Ratzinger hat in seinem unlängst erschienenen Buch "Salz der Erde" geschrieben, daß es heute sehr schwierig sei, den Glauben alleine zu leben, und er hat die Kirche eingeladen, in kleinen Gemeinschaften Glaubenswege zu eröffnen, auf denen sich die Christen gegenseitig helfen und einander stützen.
Auch in dem Brief, den der Heilige Vater, Johannes Paul II., an Erzbischof Paul Josef Cordes gesandt hat, besteht die Neuigkeit in der Tatsache, daß er den Neokatechumenalen Weg als christliche Initiation für Erwachsene in der Art des Katechumenats anerkennt und ihn nicht in einen Orden, einen Verein oder eine Bewegung umformt. In der Geschichte der Kirche haben Männer und Frauen schon mehrfach versucht, den Geist des Evangeliums im Volk Gottes erneut aufleben zu lassen, ohne daß es zwangsläufig zu einer Ordensgründung kam. Vielleicht waren die Zeiten nicht reif dafür.
Aber heute, nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil, versetzt die gegenwärtige Situation des Atheismus und der Säkularisierung die Kirche in eine Lage, in der eine Wiederaufnahme des Katechumenats notwendig wird, sowohl für die Nichtgetauften wie für jene, die als Kind getauft wurden, den Reichtum ihrer Taufe aber erst wiederentdecken müssen. Auch Papst Paul VI. sagte bei der ersten Begegnung mit dem Neokatechumenalen Weg im Jahre 1974: "Diese ,Wiedererweckung ` zu leben und zu fördern, ist das, was ihr eine ,Nach-Taufe` nennt. Sie kann in den heutigen christlichen Gemeinden jene Reife und Vertiefung erwirken, die in der Urkirche durch die Zeit der Vorbereitung auf die Taufe verwirklicht wurde. Ihr erwirkt es nachher. Ich würde aber sagen, daß die Frage des Vorher oder Nachher zweitrangig ist. Tatsache ist, daß ihr die Authentizität, die Konsequenz, die Ernsthaftigkeit des christlichen Lebens zum Ziel habt. Und dies ist ein unschätzbarer Verdienst, der Uns zutiefst tröstet..."
Wie verhaltet ihr euch, wenn euch ein Pfarrer in seine Gemeinde ruft, diesem dann aber ein Geistlicher nachfolgt, der euch nicht will?
ARGÜELLO: Wir gehorchen. Die Brüder und Schwestern müssen manchmal das Unverständnis des neuen Pfarrers über Jahre hinweg ertragen. Manchmal schickt der Pfarrer, der diese Gemeinschaften in der Pfarrei vorfindet auch weg, wenn er sie nicht will. Dies geschieht vor allem in Lateinamerika, in Pfarreien, die von Ordensleuten geleitet werden, und wo der Geistliche schon nach wenigen Jahren wechselt. Die Katechisten laden die Brüder dazu ein, dem "Weg" in einer anderen Gemeinde zu folgen, wenn es ihnen möglich ist. Wir bauen aber nie eine Parallel-Kirche auf. Die Taufe wiederzuentdecken bedeutet, das christliche "primum" zu entdecken: "So wie ich euch geliebt habe." Das heißt die Liebe zum Feind, indem man die Sünden dessen trägt, der die Gemeinschaft wegschickt. In diesem Sinne haben wir oft ein heroisches Verhalten bei unseren Brüdern sehen können. Einmal abgesehen von der Theologie der Befreiung und den unterschiedlichen Ekklesiologien, die nach dem Zweiten Vatikanum entstanden sind, haben viele Priester das Problem, daß sie die Bedeutung der Charismen in der Kirche nicht einordnen können.
Welche?
ARGÜELLO: Ich denke, daß in der Kirche Institution und Charisma in der Kirche gleich wesentlich sind, wie uns der Papst bei der Begegnung im Januar gesagt hat. Wenn die Institution die Charismen nicht annimmt, wird sie sklerotisch, und das Volk stöhnt. Und wenn das Charisma die Institution nicht annimmt, wird es eine Sekte oder trennt sich ab, wie wir es bei Petrus Waldes zur Zeit des heiligen Franziskus sehen konnten.
Sie haben zu Beginn von Verfolgung und Schwierigkeiten gesprochen. Man erhebt viele Einwände gegen euch. Könnten Sie im einzelnen dazu Stellung nehmen?
ARGÜELLO: Einverstanden.
Es handelt sich hier vor allem um die Liturgie.
ARGÜELLO: Die Liturgie spielt im Wachstumsprozeß des Glaubens eine bedeutende Rolle. Durch sie berührt uns die Gnade und wächst der neue Mensch. Die Sakramente vermitteln und vermehren die Gnade. Die gesamte Erneuerung des II. Vatikanischen Konzils hat ein grundlegendes Zentrum: die volle und fruchtbringende Teilnahme an dem, was die Sakramente bedeuten und verwirklichen. Ich will ein Beispiel nennen: Wenn man mit einem Korb zu einer Quelle geht (die hier die Gnade darstellt), so kommt man ohne Wasser zurück. Geht man aber mit einem Eimer zu ihr, dann wird er voll. Die Quelle ist stets dieselbe. Das Ergebnis ist aber völlig unterschiedlich. Viele Menschen gehen zur Messe und empfangen die Sakramente, aber mit geringer Beteiligung. Deshalb ist es wichtig, die Teilnehmer dazu zu erziehen, mit der größtmöglichen Fülle den Reichtum der Sakramente zu leben.
Es geht Ihnen also im wesentlichen um eine vollkommenere Teilnahme an der Liturgie?
ARGÜELLO: Genau. Wir versuchen, sie so vollkommen wie möglich zu feiern, so daß die Menschen, die daran teilnehmen, sich heiligen können. Wenn ein Jugendlicher sie nicht versteht oder nicht lebt, was sie bedeutet, dann wird er sie früher oder später nicht mehr besuchen. Gelingt es uns hingegen, ihm zu vermitteln, was geschieht, indem wir ihm die Bedeutung bestimmter Zeichen erklären, das heißt, indem wir ihm zu einer wirklichen Teilnahme verhelfen, dann wird sich dieser Jugendliche nach und nach dem Wirken der Gnade öffnen. Und er wird jenes kostenlose Geschenk empfangen, das die Sakramente vermitteln, und das ihm zur Heiligkeit, zum Christsein verhelfen wird. Das Christentum ist kein Pelagianismus, keine Anstrengung unseres Willens. Es ist eine Befreiung, eine neue Schöpfung, die wir gratis aufgrund der Verdienste Jesu Christi empfangen, der für einen jeden von uns gelitten und sein Leben hingegeben hat.
Wie kann man zum Beispiel heute einen Jugendlichen zum Christentum erziehen, ohne ihn im Ostergeheimnis des Herrn zu verwurzeln? Deshalb ist es wesentlich, daß man die Osternacht in ihrer ganzen Fülle leben kann, damit das Sakrament das gibt, was es bedeutet. Es gilt ihn also zu den Zeichen zu erziehen, zum Fasten, zur Nacht, zur Taufe durch das Eintauchen, um ihn zu lehren, mit Christus zu sterben und mit ihm aufzuerstehen, um zum anderen Ufer zu gelangen, um ihn zu einem österlichen Menschen zu machen, indem man ihn zum "himmlischen Pilger" macht, in einem neuen Exodus, der dazu verhilft, die Menschen dieser Generation in den Himmel zu bringen.
Wir stoßen dabei oft auf Schwierigkeiten. Zum Beispiel ist in vielen Teilen Spaniens die Osternacht auf eine Vespermesse reduziert worden, an der nur wenige teilnehmen, weil die meisten in Urlaub sind. Was soll man tun, damit die Jugendlichen nicht in Urlaub fahren, sondern bleiben, um in dieser Nacht mit Christus zu sterben und mit ihm aufzuerstehen? In Frankreich ändert man in einigen Gemeinden das Datum der Osternacht und feiert sie nach der Rückkehr aus den Ferien. Es entspricht aber nicht unserem Geist, wie es bereits in vielen Gemeinden geschieht, eine parallele oder eigene Osternacht zu feiern, sondern der Osternacht ihre ganze Kraft und die sakramentale Fülle der Zeichen zurückzugeben, wie das römische Meßbuch sagt. Um dies zu tun, bedarf es aber eines Weges, einer sakramentalen Propädeutik. Papst Johannes Paul II. hat einmal gesagt, daß er die Gemeinschaften als "Werkstätte der Sakramente" sehe, wo nach und nach die Erneuerung der Liturgie durch das Konzil verwirklicht werden kann.
So haben auch oft Schwierigkeiten bekommen, weil sie die Liturgie hinter verschlossenen Türen feiern. Einige Bischöfe haben ihnen sogar das Feiern der Eucharistie in ihren Diözesen untersagt.
ARGÜELLO: Wir halten keine Liturgie hinter verschlossenen Türen. Es handelt sich nur darum, daß wir einen Weg haben: Geht man zur Universität, so weiß man, daß es ein erstes, ein zweites und ein drittes Semester gibt, und so weiter. Und ich nehme an, man weiß, wenn man anfängt, daß man nicht gleich ins vierte Semester kommt. Das Katechumenat der Urkirche bestand aus dem Präkatechumenat, dann dem Katechumenat, der Erwählung und den Neophytat. Alle diese Begriffe bezeichnen Momente des Übergangs.
Die Schwierigkeit liegt darin, daß der Kirche seit etwa 16 Jahrhunderten das Katechumenat fehlt. Man weiß nicht mehr, worum es sich dabei handelt. Wir gehören zu jenen, die es nach 16 Jahrhunderten wiederentdecken. Deshalb ist es nicht verwunderlich, daß viel Unwissenheit über das Katechumenat und unser Handeln besteht. So entsteht Mißtrauen, manchmal auch unter den Gruppen, die uns in der Pfarrei nicht verstehen. Es wiederholt sich das, was das Evangelium im Gleichnis vom verlorenen Sohn zum Ausdruck bringt, wo der ältere Bruder nicht eintreten will, weil er erzürnt ist, daß der Vater das fette Lamm für den geschlachtet hat, der das Geld seines Vaters mit Prostituierten durchgebracht hat. Und er erträgt weder das Fest noch die Tänze.
Wir sehen im Evangelium, daß der Vater hinausgeht und mit ihm spricht. Er vermittelt und sagt ihm: "Dieser dein Bruder war tot und ist nun zum Leben zurückgekehrt...". Nun gibt es einige Pfarreien, zum Beispiel in Nordeuropa, wo es im Pfarrgemeinderat einige gibt, die diese Anthropologie nicht haben. Das heißt, man glaubt dort nicht, daß die Menschen, die sich entfernt und säkularisiert haben, die Gott verlassen haben, innerlich tot sind. Deshalb verstehen sie alle unsere Bemühungen nicht, um die Fernstehenden wieder zu Christus zurückzuführen. Und sie nehmen Anstoß an der sonntäglichen Eucharistie, die in der Gemeinschaft am Samstagabend mit dem ganzen Reichtum der Zeichen gefeiert wird, die das Konzil gewünscht hat. (Zum Beispiel die Kommunion unter beiderlei Gestalten, Brot und Wein, wie es uns vom Heiligen Stuhl gestattet wurde.) Auch wenn wir ihnen sagen, daß diese Menschen eine Vermittlung brauchen, eine Einführung in die Sakramente, daß sie verlorene Schafe sind, so ist es sehr oft unnütz.
Dennoch haben sich diese Feiern während der dreißig Jahre des "Weges" als eine wunderbare Pädagogik erwiesen, um das österliche Geheimnis zu erleben. Es gab authentische Früchte von Bekehrungen, insbesondere unter den Jugendlichen, die von Drogen und dem Wahnsinn der samstäglichen Disco-Nächte bewahrt wurden. Diese Feiern waren die Quelle für Tausende von Berufungen zum Priesteramt und zum Ordensleben.
Nicht zuletzt weil es im Neokatechumenalen Weg Menschen gibt, die fern von der Kirche, sehr verwundet und krank waren und schwach sind und die man wie der Gute Hirte auf die Schultern nehmen muß, um sie zum Haus des Vaters zu bringen.
Hier liegt der Geist des "Weges": Über niemandes Leiche gehen. Der Mensch ist nicht für den "Weg" da, sondern der 2Neokatechumenale Weg" ist für den Menschen da.
Wie entsteht konkret eine Neokatechumenale Gemeinschaft?
ARGÜELLO: Wenn ein Pfarrer wünscht, den Neokatechumenalen Weg zu beginnen, nimmt er Kontakt zu einer anderen Pfarrei auf, wo es bereits Neokatechumenale Gemeinschaften gibt, oder mit dem Neokatechumenalen Zentrum der Diözese. Man erläutert ihm dann, was der Weg ist, und wenn er es akzeptiert, schickt man ihm Katechisten, die das Neokatechumenat in Communio mit ihm leiten. Das Team der Katechisten besteht immer aus einem Priester, der der Garant für die Orthodoxie und die Kirchlichkeit der Verkündigung ist, aus einem oder zwei Ehepaaren und einem Jugendlichen. Die Katechisten sprechen mit dem Priester und mit dem Pfarrgemeinderat, dann treffen sie die Bewegungen, die in der Pfarrei vorhanden sind, und laden schließlich alle Gläubigen während der Sonntagsmesse ein. Dies ist der Augenblick des Kerygmas, der Verkündigung des Heils, das der Herr gebracht hat.
Darin hallt das wider, was die Apostel taten, als sie nach Pfingsten vom Heiligen Geist gewandelt in kleinen Equipes in die Synagogen gingen, um die Frohe Botschaft zu verkündigen und die Menschen zur Umkehr auf zurufen. Es war eine kraftvolle Predigt, die die Menschen vor ein Faktum stellte, ein Ereignis: Jesus Christus ist der Herr, nur in ihm haben wir die Rettung. Er ist für unsere Sünden gestorben und zu unserer Rechtfertigung auferweckt worden, er ist in den Himmel aufgefahren und tritt für uns ein, damit wir den Heiligen Geist empfangen können, das ewige Leben. Und den, der, von der Gnade berührt, fragte: "Was sollen wir tun?", dem entgegnete der heilige Petrus: "Bekehrt euch, und jeder von euch lasse sich im Namen Jesu taufen, zur Vergebung all seiner Sünden; danach werdet ihr den verheißenen Heiligen Geistes empfangen" . Dies entspricht der Phase, die wir kerygmatisch nennen, wo man den Dreifuß entdecken und erfahren kann, auf dem der ganze Neokatechumenale Weg aufbaut: Wort-Liturgie-Gemeinschaft. Diese kerygmatische Phase endet mit einem dreitägigen Einkehrtag, wo sich die Gemeinschaft bildet, die die verschiedenen Etappen des Präkatechumenats, Katechumenats, der Erwählung und so weiter beginnt. Sie werden von derselben Equipe von Katechisten in Gemeinschaft mit dem Pfarrer geführt.
In dem Maße, in dem die Brüder im Glauben wachsen und am Arbeitsplatz und in der Familie Zeugnis ablegen, werden auch andere zum Glauben gezogen und bitten darum, selbst den Weg beginnen zu können. So bildet sich dann eine zweit
e, dritte, vierte Gemeinschaft. In der Pfarrei erscheint dann eine neue Wirklichkeit von kleinen Gemeinschaften, die alle auf dem Weg der Umkehr sind. Auf diese Weise öffnet sich in der Pfarrei eine Pastoral für die Fernstehenden, die, ohne etwas zu zerstören oder etwas aufzudrängen, die Frucht einer Kirche darstellen, die sich erneuert und ihren Vätern sagt, daß sie fruchtbar waren, weil sie aus ihr geboren wurden.
Nach mehr als dreißig Jahren des Weges tröstet uns vor allem eine Frucht: die wiederhergestellten Familien, die dem Leben gegenüber offen eine "Hauskirche" bilden, wo man der grundlegenden Aufgabe der Familie nachgeht: den Glauben an die Kinder weiterzugeben. Man tut dies im wesentlichen durch eine "Hausliturgie" am Sonntag morgen. In dieser Liturgie lesen die Eltern den Kindern die Heilige Schrift vor und fragen: "Was sagen diese Worte für dich, für dein Leben?" Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Kinder das Wort Gottes auf die eigene konkrete Geschichte anzuwenden wissen. Am Ende sagen der Vater und die Mutter ein kommentierendes Wort, wobei sie von der eigenen Erfahrung ausgehen, und bitten alle, für den Papst, die Kirche und so weiter zu beten. Den Abschluß bilden das Vater Unser und der Friedensgruß. Und die Eltern segnen jedes Kind. Es ist heute besonders wichtig, einen Augenblick des Dialogs zwischen den Generationen zu finden.
Diese auf einem Glaubensweg gebildeten Familien sind in der Lage, den Glauben an ihre Kinder weiterzugeben. Das Ergebnis ist, das praktisch hundert Prozent dieser Kinder in der Kirche bleiben. Aus diesen oft umfangreichen Familien erwachsen Tausende von Berufungen für Priesterseminare und Klöster. Danken wir dem Herrn, unserem Gott.